Was wird aus dem historischen Kittner – Autohaus in Travemünde?

In Travemünde ist ein architektonischer Schatz aus der frühen Nachkriegszeit bis heute erhalten geblieben, es handelt sich dabei um das Kittner-Autohaus am Godewindpark. Dieses Autohaus wurde ca. 1953 eröffnet. (? Die Quellen hierzu variieren von 1952 bis 1954). Es ist ein Zeugnis aus der Frühzeit der Automobilisierung mit Elementen aus der Streamline-Moderne und dem Art Deco.

So oder ganz ähnlich sah eine neu errichte Autowerkstatt, eine Tankstelle oder eben ein Autohaus zwischen 1935 und 1955 aus, die Fotos sind aus der Zeit vor Einstellung des Geschäftsbetriebs:

Inzwischen sind die Kittner-Autohäuser, einst Norddeutschlands größte Autohaus-Kette, insolvent. Nach einem Verkauf wurden unrentable Autohäuser geschlossen, so auch dieses – eine frühe Keimzelle der Kette in Lübeck-Travemünde. Das Gebäude steht seit einiger Zeit leer und es wurde nach einer neuen Nutzung gesucht. Ein erstes Ergebnis gab es diesen Monat:

Ein Hamburger Investor plant eine Neugestaltung des Geländes mit Gastronomie und Ferienwohnungen. Das in der Fassade Denkmalgeschützte Autohaus soll um drei Etagen aufgestockt werden, hinter der historischen Fassade wäre Platz für ein Café. Es ist allerdings sehr wünschenswert, dass die Aufstockung mit einem ausreichenden Abstand zu den schrägen Oberlichtern einsetzt und die Oberlichter somit erhalten bleiben.

Ergänzend: Wer war Edgar Kittner?

Edgar Kittner siedelte sich nach dem 2. Weltkrieg in Lübeck an. Vor dem Krieg war er erfolgreicher Auto- und Motorrad-Rennfahrer, zu seinen Erfolgen gehören Siege in verschiedenen Gelände- und Bergrennen der 1920er und 1930er Jahre. Unter anderem konnte er sich auch gegen den Weltklassefahrer Rudolf Caracciola durchsetzen.

Schon vor dem Krieg war Kittner in Schlesien als Autohändler tätig. Nach dem Krieg floh er nach Lübeck und schaffte sich hier dank seiner Erfahrung ein neues Standbein im Automobilhandel. Er startete 1948 mit einer Volkswagenvertretung. Ferry Porsche, den Sohn des Käfer-Konstrukteurs, unterstützte er schon vorher bei der Entwicklung des ersten Porsche-Sportwagens, des legendären Modells 356.  Als Dank erhielt Kittner einen Porsche-Vertriebsvertrag.

Im Laufe der kommenden Jahre und Jahrzehnte baute Kittner seine Autohäuser zur größten Kette in Norddeutschland aus. Sein Leben steht beispielhaft für die Aufbaugeneration der Wirtschaftswunderzeit. Besonders Schleswig-Holstein erlebte nach 1945 einen großen Zustrom von Flüchtlingen.

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