Was wird aus dem historischen Kittner – Autohaus in Travemünde?

November 20th, 2013

In Travemünde ist ein architektonischer Schatz aus der frühen Nachkriegszeit bis heute erhalten geblieben, es handelt sich dabei um das Kittner-Autohaus am Godewindpark. Dieses Autohaus wurde ca. 1953 eröffnet. (? Die Quellen hierzu variieren von 1952 bis 1954). Es ist ein Zeugnis aus der Frühzeit der Automobilisierung mit Elementen aus der Streamline-Moderne und dem Art Deco.

So oder ganz ähnlich sah eine neu errichte Autowerkstatt, eine Tankstelle oder eben ein Autohaus zwischen 1935 und 1955 aus, die Fotos sind aus der Zeit vor Einstellung des Geschäftsbetriebs:

Inzwischen sind die Kittner-Autohäuser, einst Norddeutschlands größte Autohaus-Kette, insolvent. Nach einem Verkauf wurden unrentable Autohäuser geschlossen, so auch dieses – eine frühe Keimzelle der Kette in Lübeck-Travemünde. Das Gebäude steht seit einiger Zeit leer und es wurde nach einer neuen Nutzung gesucht. Ein erstes Ergebnis gab es diesen Monat:

Ein Hamburger Investor plant eine Neugestaltung des Geländes mit Gastronomie und Ferienwohnungen. Das in der Fassade Denkmalgeschützte Autohaus soll um drei Etagen aufgestockt werden, hinter der historischen Fassade wäre Platz für ein Café. Es ist allerdings sehr wünschenswert, dass die Aufstockung mit einem ausreichenden Abstand zu den schrägen Oberlichtern einsetzt und die Oberlichter somit erhalten bleiben.

Ergänzend: Wer war Edgar Kittner?

Edgar Kittner siedelte sich nach dem 2. Weltkrieg in Lübeck an. Vor dem Krieg war er erfolgreicher Auto- und Motorrad-Rennfahrer, zu seinen Erfolgen gehören Siege in verschiedenen Gelände- und Bergrennen der 1920er und 1930er Jahre. Unter anderem konnte er sich auch gegen den Weltklassefahrer Rudolf Caracciola durchsetzen.

Schon vor dem Krieg war Kittner in Schlesien als Autohändler tätig. Nach dem Krieg floh er nach Lübeck und schaffte sich hier dank seiner Erfahrung ein neues Standbein im Automobilhandel. Er startete 1948 mit einer Volkswagenvertretung. Ferry Porsche, den Sohn des Käfer-Konstrukteurs, unterstützte er schon vorher bei der Entwicklung des ersten Porsche-Sportwagens, des legendären Modells 356.  Als Dank erhielt Kittner einen Porsche-Vertriebsvertrag.

Im Laufe der kommenden Jahre und Jahrzehnte baute Kittner seine Autohäuser zur größten Kette in Norddeutschland aus. Sein Leben steht beispielhaft für die Aufbaugeneration der Wirtschaftswunderzeit. Besonders Schleswig-Holstein erlebte nach 1945 einen großen Zustrom von Flüchtlingen.

40 Jahre Ölkrise 1973

Oktober 19th, 2013

Vor 40 Jahren brach die erste Ölkrise aus. Der Oktober 1973 war ein außergewöhnliches Ereignis in einer seit dem Ende der Weltwirtschaftskrise andauernden Phase wirtschaftlich sicherer Verhältnisse. Ein Stützpfeiler der Wirtschaft war damals mehr noch als heute die jederzeitige Verfügbarkeit von billigem Öl als Energieträger oder Rohstoff für Erzeugnisse aller Art vom Düngemittel bis zum Plastikbecher.
Resultat dieser Ökonomie des billigen Öls waren aus heutiger Sicht wahnsinnig verschwenderische Produkte wie bspw. die Concorde, Autos für Otto-Normal-Verbraucher mit einem gesunden Durst und eine allgemein starke Zersiedelung der Landschaft. Beliebt vor der Zeit der ersten Ölkrise war etwa ein Flachdachbungalow weit draußen vor den Toren der Stadt mit Doppelgarage und Swimmingpool im Keller. Heute ist solch ein Objekt nur schwer zu verkaufen – die Betriebskosten sind auch für einkommensstarke Haushalte ein schwerer Brocken.

Ursache der Ölkrise

Auslöser war ein Ölembargo der arabischen Ölförderländer (OAPEC-Staaten). Die Führung der arabischen Staaten war unglücklich über den Verlauf des von Ägypten und Syrien angezettelten Jom-Kippur-Kriegs mit Israel und die mehrheitlich israelfreundliche Haltung des Westens. Als Druckmittel hatten die Araber die Ölfördermenge um zunächst 5% reduziert.

Auswirkungen der Ölkrise

Diese Reduzierung machte den Menschen bewusst, wie stark sie vom Öl abhängig waren. Innerhalb weniger Monate vervierfachten sich die Rohölpreise – mit entsprechenden Auswirkungen auf erdölbasierte Produkte wie Heizöl, Benzin oder Plastik. Arbeitslosigkeit war erstmals seit vielen Jahrzehnten wieder ein Thema in den Nachrichten.
Viele Auswüchse, die nur mit allzeit billigem Öl möglich waren, scheiterten in den nächsten Jahren. So musste in Deutschland Opel seine Oberklasse-Baureihe einstellen, die Concorde blieb wirtschaftlich weit hinter den Erwartungen aus den 1960er Jahren zurück…
In Kombination mit dem für die USA schmächlichen Ende des Vietnamkriegs kann man die erste Ölkrise als „Das Ende des Midcentury“ ansehen.

Am Übergang vom Art-Deco zum Midcentury

September 30th, 2013

Jedesmal, wenn ich von Art-Deco und den Fünfzigerjahren spreche, möchte ich mir beinage selber auf die Zunge beißen, denn bei Art-Deco denkt man eher an die 1920er bis 1940er Jahre. Den zweiten Weltkrieg hält man für einen entscheidenden Einschnitt und das Ende von Art-Deco. Tatsächlich hat diese Gestaltungsform aber noch bis weit in die 1950er überlebt, wie man anhand der Fotoserie sehen kann.

Die Fotos stammen aus dem Nachlass eines kürzlich verstorbenen Tischlers und zeigen einen – wohl durch ihn – neugestalteten Schalterraum einer Bank. Die einzigen Details, die für die Nachkriegszeit sprechen, sind die Türgriffe an der Doppelschwingtür, die Chrombeine der drei Hocker und ganz besonders das Plakat an der Glasscheibe für Bundesschatzbriefe…
In der Vorkriegszeit war man in Deutschland beim Einsatz von Metall und ganz besonders Chrom sparsam, denn die Rüstungsindustrie hatte einen großen Hunger nach Stahl und hochwertigen Metallen. Ansonsten könnte dieser Raum direkt aus den 1930ern stammen.

 

Midcentury in 2009

Dezember 31st, 2009

Das war Midcentury 2009 in Deutschland… (Mehr Text folgt)

Beethovenhalle nach 50 Jahren wieder abreissen?

November 30th, 2009

Die Bonner Beethovenhalle feierte dieses Jahr ihr 50jähriges Jubiläum, steht  seit Jahren unter Denkmalschutz und soll nun aber doch abgerissen werden. Die Pläne einiger Investoren sehen einen Neubau an ausgerechnet der Stelle vor, an der heute die Beethovenhalle steht.

Nachkriegsarchitektur findet neue Freunde

Oktober 31st, 2009

In Münster werden diese Tage neue Nutzer für den Kiffe-Pavillon gesucht, nachdem Karstadt Sport als Mieter wegfällt. Ein Umbau ist geplant und das schöne an diesen Planungen ist, dass der Umbau zu einem guten Teil ein Rückbau wird.

Kiffe-Pavillon in Münster

Kiffe-Pavillon noch mit Dekoration von Karstadt. Foto: Rüdiger Wölk cc-by-sa

Bausünden, die den Charakter des Pavillons in den vergangenen Jahrzehnten verwässert haben, sollen verschwinden und das Erscheinungsbild soll wieder mehr so sein wie in den 1950er Jahren. Soweit es sich mit der zukünftigen Nutzung vereinbaren lässt.

OPEL - Verkaufsraum in den 1950er Jahren

Ein anderer, kleinerer Opel-Verkaufsraum aus den 1950er Jahren, darin zeitgenössische Opel Rekord und Kapitän.

In Münster werden diese Tage neue Nutzer für den Kiffe-Pavillon gesucht, nachdem Karstadt Sport als Mieter wegfällt. Ein Umbau ist geplant und das schöne an diesen Planungen ist, dass der Umbau zu einem guten Teil ein Rückbau wird.
Bausünden, die den Charakter des Pavillons in den vergangenen Jahrzehnten verwässert haben, sollen verschwinden und das Erscheinungsbild soll wieder mehr so sein wie in den 1950er Jahren. Soweit es sich mit der zukünftigen Nutzung vereinbaren lässt.

40 Jahre Mondlandung – Raketendesign in den 1960ern

Juli 31st, 2009

AstronautenhelmFernseher im Space-Age DesignIn Bearbeitung….
Hier ein Video, das die Stimmung zur Zeit der ersten Mondlandung sehr schön einfängt, damals blickte die Welt noch voller Bewunderung nach Amerika, dem „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Zu sehen ist das amerikanische Raumfahrtprogramm von den Mercury-Raumflügen mit John Glenn über die Apollo-Missionen bis zum Space-Shuttle. Mit dem Erstflug der „Enterprise“ im Jahr 1977 (nur athmosphärisch) ist das Space-Shuttle ein echtes Kind der 1970er Jahre und somit gerade eben noch „midcentury“:

Tatsächlich röhrende Hirsche

Juni 28th, 2009

Heute bin ich beim Surfen auf diesem blog http://blog.fohrn.com/?p=608 auf das Angebot Bootleg Objects von zwei Designern aus Frankfurt aufmerksam geworden. Es werden alte Hifi-Anlagen aus dem Midcentury dahergenommen und moderne Technologie in sie hineinverpflanzt. Am Ende der Operation kann eine „Audio 1 Kompaktanlage“ von Braun dann Internetradio wiedergeben. Toll.
1962 war es eine großartige Idee, eine Hifi-Anlage nicht wie die typische Musiktruhe in Nußbaum aussehen zu lassen. 2009 einem MP3-Player das Gehäuse einer alten Hifi-Anlage zu geben, ist so originell wie Nußbaum 1962. Ich meine, die Idee spielt in einer Liga mit der mittlerweile nicht mehr existenten Styling Garage Hamburg und ihren Erzeugnissen.

Eine weitere Gemeinsamkeit neben dem „tollen“ Design ist der Preis: Die zum MP3-Player/Internetradio mutierte Braun-Anlage ist schon ab 12.000 € bei der Stylinggarage Frankfurt Bootleg Objects zu haben…

Braun-Design geht auf Tournee durch Museen der Welt

Juni 14th, 2009
Radio im Braun-Design. Foto: Nite_Owl

Radio im Braun-Design. Foto: Nite_Owl

Im Design der 1950er und 1960er Jahre spielte die Firma Braun eine wichtige Rolle und erhielt viele Auszeichnungen. Jetzt geht eine Ausstellung mit Geräten aus der Zeit von Dieter Rams bei Braun auf Reise durch Museen auf der ganzen Welt. Dieter Rams hat zusammen mit seinen Kollegen eine Vielzahl von Alltagsgeräten entworfen, vom Feuerzeug über Küchenmaschninen bis zur HIFI-Anlage. Bei mir stehen als Erbstücke noch ein Haartrockner und eine Saftschleuder zum Gebrauch bereit und funktionieren bis heute einwandfrei. Alte Braun-Geräte findet man heute immer wieder auf Flohmärkten oder im Internet zum Verkauf angeboten; es hat sich eine kleine Sammlergemeinde rund um „Braun“ entwickelt.
Gutes Design heißt nicht nur gutes Aussehen am Tag der Vorstellung, sondern  ein Äußeres, das über viele, viele Jahre nicht „alt“ aussieht und eine Konstruktion, die jahrelangen Gebrauch ohne Ausfälle  mitmacht!

Die Ausstellung ist letzen Monat unter dem Titel „Less and More. The Design Ethos of Dieter Rams“ in Osaka gestartet und wird 2010 in Frankfurt zu sehen sein. Falls ich zu dem Zeitpunkt in Frankfurt bin, werde ich mir die Ausstellung sicher ansehen. (Das letzte mal war ich 2000 oder 2001 in Frankfurt)

Gibt es charmante Betonbauten?

Mai 31st, 2009
blau-gold-haus

Blau-Gold-Haus in Köln. schützenswerte Midcentury-Architektur

In diesen Tagen feiert die Bundesrepublik ihr 60jähriges  Jubiläum und es wird der Blick auf die Anfangszeit der aktuellen Inkarnation von „Deutschland“ gelenkt. Damals gelang einer Architektur der Durchbruch, die auch in Weimar und Dessau erfunden wurde und dann im Exil in Übersee heranreifte. Nach Vertreibung der Architekten durch die Nazis. Die Rede ist von der Architektur in der Traditon des Bauhaus, bei uns meist als Nachkriegsarchitektur vertreten. Vorkriegs-Exemplare dieser Architektur gibt es nur sehr vereinzelt… Diese Gebäude sind in die Jahre und aus der Mode gekommen, der Abriss droht. In Berlin preist der Kunsthistoriker Adrian von Buttlar den Charme der Betonstelzen und kämpft für die Erhaltung der Nachkriegsarchtektur. Ich meine, es gibt ganz sicher erhaltenswerte Nachkriegsarchitektur aber um Neues zu ermöglichen, darf die nächsten ein, zwei Jahrzehnte gerne die Abrissbirne einschlagen. Nachkriegsarchitektur entstand damals oft auf Kosten von Wohnbebauung aus der Gründerzeit oder früher. Das Ergebnis war die sogenannte „Autogerechte Stadt“, die uns heute so viel Probleme bereitet. Es fehlt an bezahlbarem und lebenswertem Wohnraum in der Stadt. Nachkriegsarchitektur funktioniert vor allem als Bürogebäude oder Zweckbau. Als Wohnbebauung hat die Nachkriegsarchitektur in epischer Weise versagt – ein Blick in Viertel wie bspw.  Steilshoop oder Osdorfer Born in Hamburg zeigt es deutlich. Es bleibt also zu wünschen, dass die erhaltenswerte Midcentury-Architektur in ihren Spitzenexemplaren geschützt wird. 08/15-Bauten und Plattenbauwucherungen sollten aber Platz machen für Wohnen in der Stadt!

Edit 8.Januar 2016: Webadresse des Artikels „Der Charme der Betonstelzen“ bei faz.net aktualisiert.